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Jährlich 70 –80 neue Rheumatolog:innen für Klinik und Praxis, um die Zukunft der Patient:innen­versorgung zu sichern.

14 h für die Rheumatologie? Zu wenig.
Wissen, Denken, Machen: #rhmtlgy

Für die medizinisch adäquate Versorgung von ungefähr 1,5 Millionen Patient:innen werden um die 2.100 Rheumatolog:innen benötigt. Zur Zeit gibt es ca. 680.

Forderungen und Ziele

Hintergrund unserer Forderungen

Ca. 1,5 [1] Millionen erwachsene Bürger:innen und ca. 40.000 [2] Minderjährige leben in Deutschland mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen. Die Gesamt­zahl von Betroffenen mit muskulo­skelettalen Erkrankungen addiert sich auf über 18 Millionen [3]. Diese Bevölkerungs­gruppe benötigt zur Sicherung der Lebens­qualität und der Verdienst­möglichkeit (mehr als die Hälfte der Betroffenen ist im erwerbs­tägigen Alter) eine lebens­lange Betreuung durch Rheuma­tolog:innen. Dem gegenüber stehen aktuell 682 nieder­gelassene, vertrags­ärztliche internistische Rheuma­tolog:innen [4]. Für eine frühzeitige, adäquate und lebenslange Versorgung dieser Patient:innen ist diese Anzahl bereits heute zu gering [5]. Durch den derzeitigen verzögerten Behandlungsbeginn sinken die Chancen, entzündungsbedingte Gelenkschäden durch eine rechtzeitige Therapie zu verhindern [6]. Zur Zeit beträgt die ø Warte­zeit auf einen Termin bei Patienten mit berechtigtem Verdacht auf eine entzündlich-rheumatische Erkrankung zwischen 12 bis 40 Wochen. Medizinisch empfohlen sind maximal 6 Wochen. Lebens­lange Ein­schränkungen für Patient:innen sind oftmals die Folge.

Nach einer Bedarfs­ermittlung der DGRh e.V.7 (2017), auf Basis der fach­internistischen Planung der Kassen­ärztlichen Bundes­vereinigung, werden mindestens 1.350 internistische Rheuma­tolog:innen benötigt, um den Status einer bedarfsgerechten Minimal­-Versorgung kurzfristig zu gewährleisten.

Um die rheumatologische Versorgung dieser Bevölkerungsgruppe zu verbessern und um unerwünschten Konsequenzen wie einer Berufsunfähigkeit vorzubeugen, ist eine mittel­fristige, deutliche Steigerung auf 2.100 internistische Rheumatolog:innen (3 je 100.000 Erwachsener) notwendig – unberücksichtigt der ohnehin‚ steigenden Anzahl von Patient:innen aufgrund des demographischen Wandels.

Wir, das unabhängige Bündnis für Rheumatologie, treten daher für die rheumato­logische Versorgung von Millionen von Patient:innen heute und in der Zukunft ein. Hier können Sie sich die Forderungen des Bündnisses für Rheumatologie herunterladen.  

Zur Sicher­stellung der medizinisch notwendigen rheuma­tologischen Versorgung, …

… fordern wir die Verbesserung der ambulanten und stationären Weiterbildungssituation

Ambulante Weiterbildung

Durch die Neu­fassung der Bedarfs­planungs­richtlinie im Jahr 2019 sind freie Vertrags­arzt­sitze für internistische Rheuma­tolog:innen entstanden, da mindestens acht Prozent der internistischen Sitze diesem Fach­gebiet vorbehalten werden müssen. In der Realität konnten und können diese neuen Sitze jedoch größten­teils nicht besetzt werden, da die Weiter­bildungs­stellen für den rheuma­tologische Nach­wuchs fehlen. Durch Förderung der ambulanten Weiter­bildung muss diese Versorgungs­lücke kurz­fristig verringert werden.

Der Gesetz­geber verpflichtete im § 75a SGB V Kassen­ärztliche Vereinigungen und Kranken­kassen, die allgemein­ärztliche Weiter­bildung in Vertrags­arztpraxen und Medizinischen Versorgungs­zentren zu fördern. Diese Regelung muss auf die fachärztliche Versorgung in nach­weislich unter­versorgten Fach­gebieten erweitert werden, insbesondere auf die Rheuma­tologie. Die Kassen­ärztliche Bundes­vereinigung, die Deutsche Krankenhaus­gesellschaft und der GKV-Spitzen­verband sollen dafür die Vereinbarung zur Förderung der Weiter­bildung gemäß § 75a SGB V entsprechend erweitern. Eine zügige Umsetzung kann nur durch eine gesetzliche Frist­setzung gewährleistet werden.

→ Wir fordern die Förderung der ambulanten Weiterbildung durch eine verpflichtende Regelung in § 75a SGB V.

 

Stationäre Weiterbildung

Die Ökonomisierung der akut­stationären Behandlung durch Ein­führung des fall­pauschalisierten Entgelt­systems (DRGs) hat zu einer Verschiebung der stationären Kapazitäten und Behandlungen hin zu umsatz- und gewinn-stärkeren Abteilungen und Leistungen geführt. Die akut­stationäre Rheumatologie ist geprägt durch personal­intensive und weniger durch hoch­bezahlte apparative Leistungen, daher für viele Kliniken wirtschaftlich weniger attraktiv und personell nur unzureichend ausgestattet. Zur Zeit orientiert sich die Anzahl der fach­bezogenen Weiter­bildungs­stellen am Budget bzw. Gewinn der Fach­abteilungen und nicht – wie medizinisch notwendig – am Versorgungs­bedarf der Bevölkerung. Die Anzahl der Weiterbildungs­stellen im Krankenhaus, wie auch in den ambulanten Einrichtungen, muss jedoch am Versorgungs­bedarf der Bevölkerung bemessen werden. Nur so ist eine bedarfs­gerechte akutstationäre und ambulante rheumatologische Versorgung der Erkrankten möglich.

→ Wir fordern die Bemessung der stationären Weiterbildungsstellen nach prognostiziertem Versorgungsbedarf der Bevölkerung.

 

… fordern wir die Sicherung und Verbesserung der rheuma­tologischen Präsenz an den Universitäten

Universitäre Lehre

Hochwertige Lehre vermittelt die not­wendigen Fach­kenntnisse und weckt das Interesse des wissen­schaftlichen Nach­wuchses an diesem wichtigen und innovativen Fach. Der klinischen Bedeutung der Rheumatologie entsprechend bilden die muskulo­skelettalen Erkrankungen im Nationalen Kompetenz­basierten Lern­ziel­katalog Medizin (NKLM) ein eigenes Kapitel. Weitere Lern­ziele zu rheumatischen und immuno­logischen Erkrankungen werden in zahlreichen weiteren Kapiteln aufgeführt. Nun müssen die Bedingungen für eine zukunfts­orientierte, rheuma­tologische Lehre in Deutschland geschaffen werden, um eine mittelfristige Ver­sorgung zu sichern.

Rheumatologische Forschung

Die Grund­lagen­forschung, Diagnose, Therapie und Prävention von rheumatischen Erkrankungen ist ein hoch­innovatives und zukunfts­fähiges Forschungs­feld. Daher ist eine ausreichend geförderte, konkurrenz­fähige universitäre Forschung die Voraus­setzung für die wissenschaftliche Weiter­entwicklung und für die Gewinnung motivierter Wissenschaftler:innen. Derzeit verfügen jedoch nur 10 der 36 staatlichen Universitäten über einen eigen­ständigen Lehr­stuhl für Rheumatologie und noch immer ist die Rheuma­tologie nicht an allen medizinischen Hoch­schulen mit einer eigen­ständigen Abteilung vertreten. Dieser eklatante Mangel behindert eine international konkurrenzfähige rheumatologische Forschung.

→ Wir fordern die Schaffung eigenständiger rheumatologischer Abteilungen an jeder staatlichen Universität und die Steigerung der Anzahl an rheumatologischen Lehrstühlen.

… fordern wir die Weiterentwicklung der Rahmen­bedingungen für internistische Rheumatolog:innen  

Anpassung der Sperrfristen an die Lebensrealitäten

Acht Prozent aller Internisten eines Planungs­bereiches der Kassen­ärztlichen Vereinigung sollten rheuma­tologisch tätig sein – dies hat der Gemeinsame Bundes­ausschuss entsprechend der gesetzlichen Vorgaben festgelegt. In einigen Planungs­bereichen wurden daraufhin neue rheuma­tologische Sitze mit fester räumlicher Zuordnung ausgewiesen. Aufgrund des bestehenden, hier thematisierten, Nachwuchs­mangels sowie der spezifischen Lebens­realität der jüngeren Rheuma­tolog:innen (geringe Flexibilität aufgrund z.B. erwerbstätiger Partner:in oder schulpflichtiger Kinder) kann häufiger nur eine begrenzte Anzahl der Sitze binnen der Sperr­frist von einem Jahr besetzt werden. In der Folge fielen die unbesetzten Sitze an weitere internistische Schwer­punkte und gingen somit der minimalen bedarfs­gerechten rheumatologischen Versorgungs­struktur verloren.

→ Wir fordern, eine Erweiterung der Sperrfrist zur Besetzung innerhalb des Schwerpunkts von einem auf drei Jahre. Sollten diese Sitze nicht besetzt werden können, so muss die Möglichkeit der Verlegung in angrenzende Planungsbereiche gewährleistet werden.


Planungssicherheit für die bestehenden rheumatologischen Sonderbedarfszulassungen

Eine Reihe von ambulant tätigen Rheuma­tolog:innen ist derzeit im Rahmen einer Sonder­bedarfs­zulassung tätig, d.h. rheuma­tologische Kassen­arztsitze werden zur Behebung eines regionalen Versorgungs­defizites zeitlich befristet genehmigt. Diese Sonder­bedarfs­zulassungen werden regel­mäßig neu geprüft und bieten keine Planungs­sicherheit – insbesondere bei der Abgabe einer Praxis im Rahmen einer Nachfolge­regelung. Das führte u.a. dazu, dass bei der Umsetzung der neuen Bedarfs­planung, in einzelnen Regionen, Rheuma­tolog:innen aus einer Sonder­bedarfs­zulassung auf einen neu geschaffenen rheuma­tologischen Vertrags­arztsitz gewechselt sind. Im Zuge dessen entfiel der Sonder­bedarfssitz. Eine Verbesserung der Versorgungs­kapazitäten wurde damit versäumt, da lediglich der Status quo der
Versorgungs­situation fixiert wurde.

→ Wir fordern, dass angesichts der anhaltenden Unterversorgung einmalig Sonderbedarfszulassungen in reguläre Zulassungen umgewandelt werden.  

… tragen wir zu einem grundlegenden Imagewandel der Rheuamtologie bei.

Rheuma haben doch nur alte Leute! Diese weit­verbreitete Wahr­nehmung gerade­zurücken, ist erklärtes Ziel unseres Bündnisses für Rheumatologie. Eine ankylosierende Spondylitis, die mit hierzulande über 300.000 Betroffenen zweit­häufigste entzündlich-rheumatische Erkrankung, beginnt typischer­weise zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr. Rund 40.000 rheumakranke Kinder und Jugendliche leben aktuell in Deutschland. Und auch die rheumatoide Arthritis, das „Rheuma“ im Volks­mund, manifestiert sich oft bereits vor dem 50. Lebensjahr.

Die Rheumatologie hat bei Diagnostik und Therapie in den letzten beiden Jahr­zehnten rasante Fortschritte gemacht. Innovative Therapie­ansätze ermöglichen es heute, Menschen mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen über viele Jahre hinweg wirksam zu helfen.

Die Rheumatologie ist eine innovative medizinische Disziplin, die fach­übergreifendes Denken und wissen­schaftliche Expertise ebenso erfordert wie Empathie und aufmerksame Gespräche mit den Patient:innen – quer durch alle Alters­gruppen. Dafür tritt rheuma2025.de ein.